Anregungen für Smart-Grid-Technologien

Entwicklung von Anregungen für Smart-Grid-Technologien – eine einstellungsbasierte Analyse von Haushaltstypen in Norderstedt und anschließender CoCreation-Prozess mit Innovations- und umweltorientierten Kunden

Die Stadt Norderstedt hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 eine „Nullemissionsstadt“ zu werden. Die Stadtwerke Norderstedt wollen als kommunales Unternehmen Dienstleistungen bereitstellen, mit denen die Energiewende bzw. Energiesparverhalten gefördert werden kann. Mit dem hier vorgestellten Forschungsprojekt sollten Anregungen gesammelt werden, wie die Stadtwerke – vor allem im Bereich Smart Grid – Energiewende-Verhalten ihrer KundInnen unterstützen können. Eine Besonderheit des hier vorgestellten Vorgehens ist, dass zunächst eine breite Basis von KundInnnen befragt wurde und ausgehend von diesen Ergebnissen besonders innovative KundInnen in weitere Entwicklungen und eine Diskussion der Ergebnisse einbezogen wurden.

  1. Umfrage mit über 4000 Befragten zur Untersuchung von Wissen und Einstellungen zu Energiewende

Im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes „Zukunftswerkstatt“ wurde in einem ersten Schritt eine schriftliche Befragung konzipiert und durchgeführt: Die Stadtwerke verschickten einen im Team von e-fect und den Hochschul-Professoren Prof. Dr. Andreas Homburg und Prof. Dr. Dr. Kai Schuster ausgearbeiteten Fragebogen an ca. 34.000 Haushalte und erhielten unter Einsatz einer Rücklaufförderung 5620 Fragebögen ausgefüllt zurück. Mit 16,53 % der ursprünglich verschickten Fragebögen war der Rücklauf außergewöhnlich hoch.

Bestandteil der Abfrage waren neben Haushaltsdaten vor allem Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen in den Bereichen Energie und Alltagsgestaltung. Untersucht wurden auch Faktoren, die nach aktuellen umweltpsychologischen Forschungsergebnissen Energiesparverhalten erklären bzw. fördern können, ferner Image und Glaubwürdigkeit der Stadtwerke.

Am Ende der Befragung konnten 4169 Bögen ausgewertet werden – eine gute Datenbasis, um energiewende-relevante Einstellungen und Verhaltensweisen zu beschreiben.

Basierend auf diesen Fragen wurden die befragten Haushalte anonymisiert mit statistischen Verfahren nach Ähnlichkeiten gruppiert. Hierbei konnten vier verschiedene Haushaltstypen identifiziert werden. Über ein Viertel der Befragten zeigte sich als sehr offen gegenüber Umweltschutz und energierelevanten Innovationen und war gleichzeitig ökonomisch und als Hausbesitzer in der Lage, auch Veränderungen im Haushalt zugunsten eines geringeren Energieverbrauches vorzunehmen.

Insgesamt wurden sechs Energiewende-Ideen auf Ihre Attraktivität und mögliche Umsetzungswahrscheinlichkeit für die KundInnen hin untersucht. Die umweltpsychologischen Analysen gaben Hinweise darauf, mit welchen Faktoren bei welchen Kundengruppen besonders gut energiesparendes Verhalten gefördert werden kann und wo besondere Wissenslücken bestehen oder auch wo schon viel Wissen über die Energiewende vorhanden ist.

  1. CoCreation-Workshops mit innovationsorientierten KundInnen zur Entwicklung konkreter Ideen und Gestaltungshinweise

Aus der Gruppe der umwelt- und innovationsorientierten Haushalte heraus wurden jeweils ca. 10-12 Teilnehmende für insgesamt drei CoCreation-Workshops gewonnen. Die Fokussierung auf diese Kunden erfolgte, da

  1. hier viele Ideen für die Entwicklung von Energiewende-Dienstleistungen erwartet wurden,
  2. hier über die besondere Offenheit dieser Kunden auch mit einer frühen Annahme / Nutzung dieser Dienste gerechnet werden kann,
  3. diese KundInnen als frühe Nutzer auch einen Einfluss auf die Gestaltung der Dienstleistung haben sollten,
  4. in vielen Bereichen die sogenannten „Early Adopters“ als Multiplikatoren und Meinungsführer später auch zur Verbreitung solcher Dienstleitungen beitragen.

Ziel der CoCreation-Methode war es, neben einer qualitativen Hinterlegung / Überprüfung der Ergebnisse aus Workshop 1 und Workshop 2 zusammen mit den innovationsoffenen KundInnen Ideen für eine gute und nutzerfreundliche Gestaltung von Smart-Grid-Dienstleistungen zu entwickeln: zum Beispiel sollten Inhalt und Art der dargebotenen Energie-Verbrauchsinformationen den KundInnen das Stromsparen erleichtern und so schon bis zu 10% Energieeinsparung ermöglichen.

In Abgrenzung zur Fokusgruppen-Methode wird im CoCreation-Format nicht einfach ein bestehender Entwurf oder ein neues Produkt abgefragt oder bewertet: es wird in einem 3-stündigen Workshop-Format zusammen mit KundInnen konkret an innovativen Konzepten gearbeitet.

Die inhaltliche Ausgangsbasis in diesem Vorgehen waren hier Elemente aus Recherchen und Befragungsergebnisse der Haushaltsbefragung, z.B. Best- Practice-Analysen von Kundenportalen. Mit speziell zugeschnittenen Bewertungs- und Kreativ-Techniken konnten so Ideen entwickelt werden, die im weiteren Verlauf direkt Eingang in die Smart-Grid- und Kundenportal-Entwicklungen der Stadtwerke nahmen.

Diese Ideenentwicklung wurde unter Nutzung von Elementen aus dem Design-Thinking und immer auch in einem direkten Zusammenspiel von KundInnen und MitarbeiterInnen der Stadtwerke durchgeführt. Im Forschungskontext sind diese Vorgehensweisen am ehesten an Verfahren der Aktionsforschung angelehnt, da ausgewählte Ergebnisse aus dem ersten Befragungsteil und vorlaufenden Recherchen zusammen mit den Workshop-Teilnehmenden bewertet, interpretiert und weiterentwickelt wurden.

Bearbeitete Themen der Workshops waren:

Workshop 1: Wie muss Information über Energieverbrauch dargeboten werden, damit sie Energiesparverhalten fördert? Welche Informationen sollen auf welche Art dargeboten werden? Welche Endgeräte sind hierbei interessant? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Personen / Haushaltstypen?

Workshop 2: Welche Haushaltsgeräte würden Kundinnen auf welche Art über ein Smart-Grid extern durch die Stadtwerke steuern lassen und was ist dabei zu beachten? Welche Bereiche sind für Datenschutz besonders sensibel? Gibt es Abstufungen zwischen diesen Geräten?

Workshop 3: Validierung der Ergebnisse aus den ersten Workshops: In diesem Workshop wurde durch eine qualitative Abfrage überprüft, ob wesentliche Ergebnisse der ersten Workshops die „richtigen“ Hinweise geben und die untersuchten Bewertungen Einflussfaktoren auf Verhalten und Präferenzen aufrechterhalten werden können. Hierbei wurden auch folgende Teilfragen geklärt:

Welche Design- und Funktionselemente wären hilfreich, um ein Smart-Grid und die damit zur Verfügung stehenden Daten sinnvoll, beispielsweise über ein Kundenportal zum Energiesparen nutzen zu können, welche Elemente werden eher abgelehnt. Was sind Anforderungen an ein gutes Design, damit nicht viele Daten sondern wesentliche, nutzbare Informationen transportiert werden.

In allen 3 Workshops wurden viele Ideen und Gestaltungshinweise entwickelt, die von den KundInnen und den Stadtwerken als sehr sinnvoll und zielführend bewertet wurden.

  1. Ausblick: hohes Potenzial für weitere Entwicklungen

Die Stadtwerke werden die entwickelten Ideen in die Smart-Grid- und Kundenprotal-Entwicklung einbeziehen. Sowohl Stadtwerke als auch die mitwirkenden KundInnen würden den Prozess als eine Art Panel gerne fortsetzen.

Aus methodischer Sicht hat sich eine Koppelung von breit angelegten umweltpsychologisch fundierten Befragungselementen und eher qualitativ angelegten Co-Entwicklungselementen bewährt.

Das Projekt wurde im Rahmen der „ZukunftsWerkStadt“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

 

Kontakte:
Dr. Christian Hoffmann, e-fect eG
Dr. Hilke Oberhansberg, e-fect eG

Weiterführende Informationen finden Sie hier.

Bild:  Uwe Schlick / pixelio.de

Comments are closed.